Warum jeder Konzertsaal einen anderen Flügel braucht

Es gibt keinen perfekten Konzertflügel, unabhängig von seinem Umfeld.
Ein Flügel, der in einem Konzertsaal großartig klingt, kann in einem anderen zu brillant, zu kraftvoll oder nicht klar genug wirken. Dasselbe Instrument kann sich je nach Raumgröße, Materialien, Deckenhöhe, Bühnenposition, Publikum und akustischer Beschaffenheit des Raumes erheblich verändern.
Deshalb sollte die Wahl eines Konzertflügels niemals allein auf Marke, Modell oder Größe reduziert werden.
Die eigentliche Frage lautet:
Welcher Flügel funktioniert in diesem konkreten Raum am besten?
Der Raum wird Teil des Instruments
Ein akustisches Klavier erzeugt seinen Klang nicht unabhängig von seiner Umgebung.
Die Saiten versetzen den Resonanzboden in Schwingung, der Resonanzboden überträgt die Energie in den Raum, und der Raum reflektiert, absorbiert und verändert diesen Klang, bevor er den Zuhörer erreicht.
Ein Konzertsaal wird somit zu einem Teil des klanglichen Ergebnisses.
Wichtige Faktoren sind:
Raumvolumen;
Deckenhöhe;
Bodenbelag;
Wände und Wandverkleidungen;
Vorhänge und Polsterungen;
Konstruktion der Bühne;
Abstand zum Publikum;
Position des Flügels;
Anzahl der Personen im Raum.
Derselbe Flügel kann sich deshalb in zwei unterschiedlichen Veranstaltungsorten wie zwei verschiedene Instrumente anfühlen.
Größer ist nicht automatisch besser
Eine der häufigsten Annahmen ist, dass der größtmögliche Konzertflügel automatisch die beste Wahl ist.
In einem großen Konzertsaal können die zusätzliche Projektion, die Bassentwicklung und die dynamischen Reserven eines großen Konzertflügels äußerst wertvoll sein.
In einem kleineren Salon kann dasselbe Instrument den Raum jedoch dominieren.
Ein etwas kleinerer Flügel kann unter Umständen Folgendes bieten:
größere Klarheit;
bessere Balance;
mehr Intimität;
leichtere Kontrolle der Dynamik;
eine natürlichere Beziehung zum Publikum.
Der richtige Flügel sollte den Raum füllen, ohne gegen ihn anzukämpfen.
Die Projektion muss zum Raum passen
Ein Flügel benötigt genügend Projektion, um das Publikum klar zu erreichen.
Doch Projektion ist nicht dasselbe wie Lautstärke.
Ein sehr brillantes Instrument kann direkt an der Klavierbank spektakulär klingen und in einem stark reflektierenden Raum schnell ermüdend wirken. Ein anderer Flügel kann aus unmittelbarer Nähe weniger aggressiv erscheinen und sich dennoch mit außergewöhnlicher Definition bis in die hinteren Reihen tragen.
Das ideale Instrument hängt daher davon ab, wie sich der Klang durch den Raum bewegt.
In einem großen Saal benötigt der Flügel möglicherweise viel klangliche Energie und langes Ausschwingverhalten.
In einem intimen Salon kann eine übermäßige Projektion die Feinheit des Spiels reduzieren und es erschweren, leise Dynamiken natürlich wahrzunehmen.
Akustisch lebendige Räume erfordern Kontrolle
Manche Räume reflektieren Schall besonders effizient.
Stein, Glas, poliertes Holz und hohe Decken können eine lebendige Akustik mit langer Nachhallzeit erzeugen.
Das kann wunderschön sein, verstärkt jedoch auch bestimmte Eigenschaften des Flügels.
In einem solchen Raum kann ein ohnehin brillantes Instrument:
übermäßig aggressiv wirken;
schnelle Passagen verschwimmen lassen;
in der Kammermusik schwer zu balancieren sein;
bei hoher Dynamik ermüdend wirken.
Ein Flügel mit größerer Wärme, Klarheit oder kontrollierter Projektion kann hier besser funktionieren.
Auch durch Intonation kann das Instrument an den Raum angepasst werden, ohne seinen natürlichen Charakter zu verlieren.
Trockene Räume erfordern etwas anderes
Andere Veranstaltungsorte absorbieren Schall schnell.
Teppiche, Vorhänge, gepolsterte Sitze und akustische Maßnahmen können eine vergleichsweise trockene Umgebung schaffen.
In solchen Räumen kann ein Flügel mehr benötigen:
Projektion;
klangliche Präsenz;
Sustain;
Brillanz;
dynamische Reserven.
Ein Instrument, das in einem resonanten Salon perfekt ausgewogen klingt, kann in einem trockenen Studio oder Konzertsaal zurückhaltend wirken.
Das Klavier hat sich dabei nicht verändert.
Sein akustischer Kontext hat sich verändert.
Das Publikum verändert die Akustik
Ein leerer Saal klingt nicht exakt wie ein voller Saal.
Menschen absorbieren Schall.
Kleidung, Körper und besetzte Sitzplätze reduzieren Reflexionen und können die wahrgenommene Nachhallzeit des Raumes verkürzen.
Deshalb kann sich die Konzertvorbereitung nicht ausschließlich darauf verlassen, wie das Instrument in einem leeren Veranstaltungsort klingt.
Erfahrene Techniker und Musiker berücksichtigen, dass sich die Akustik verändert, sobald das Publikum eintrifft.
In manchen Räumen ist der Unterschied gering. In anderen kann er Projektion, Klarheit und klangliche Balance deutlich verändern.
Solorecitals und Kammermusik stellen unterschiedliche Anforderungen
Der ideale Flügel hängt auch davon ab, wer mit ihm musiziert.
Bei einem Solorecital kann der Pianist den gesamten klanglichen und dynamischen Umfang des Instruments nutzen, ohne Raum für andere Musiker lassen zu müssen.
Bei Kammermusik muss sich der Flügel mit:
Streichern;
Bläsern;
Sängern;
anderen Tasteninstrumenten
verbinden.
Ein kraftvoller Flügel, der für solistisches Repertoire ideal ist, kann in einem kleineren Raum eine Violine oder ein Cello leicht überdecken.
In der Kammermusik können daher Eigenschaften wie Transparenz, kontrollierbare Projektion und die Fähigkeit zur klanglichen Verschmelzung wichtiger sein als maximale Kraft.
Das Repertoire verändert die ideale Wahl
Selbst innerhalb desselben Veranstaltungsortes können unterschiedliche Programme unterschiedliche Instrumente begünstigen.
Ein klassisches Programm kann von Klarheit, Artikulation und präziser Kontrolle profitieren.
Debussy oder Ravel können einen Flügel mit außergewöhnlicher Klangfarbenvielfalt und Transparenz verlangen.
Brahms oder Rachmaninoff können mehr Tiefe, Sustain und dynamische Reserven erfordern.
Zeitgenössisches Repertoire kann besondere Anforderungen an Repetition, Resonanz oder erweiterte Spieltechniken stellen.
Das ideale Verhältnis besteht daher nicht nur zwischen Flügel und Raum, sondern zwischen:
Pianist + Repertoire + Flügel + Raum.
Alle vier Faktoren beeinflussen das endgültige Ergebnis.
Die Position des Flügels ist entscheidend
Selbst der beste Flügel kann schlecht funktionieren, wenn er ungünstig positioniert ist.
Schon eine relativ geringe Veränderung seiner Position kann Folgendes beeinflussen:
Verstärkung des Basses;
Reflexionen von nahegelegenen Wänden;
Balance zwischen den Registern;
wie direkt der Klang das Publikum erreicht;
die Kommunikation innerhalb des Ensembles.
Auch der Winkel des Flügels spielt eine Rolle.
Bei Kammermusik sollte die Position den Musikern ermöglichen, einander bequem zu hören und zu sehen und gleichzeitig eine angemessene Balance für das Publikum zu gewährleisten.
Bei Aufnahmen ist die Positionierung ebenso wichtig, da sie beeinflusst, wie Mikrofone sowohl den direkten Klang als auch die Reflexionen des Raumes aufnehmen.
Die Position des Deckels verändert das Ergebnis
Der Flügeldeckel ist nicht nur dekorativ.
Seine Position beeinflusst, wie der Klang in den Raum projiziert wird.
Ein vollständig geöffneter Deckel ermöglicht maximale Projektion und ist bei solistischen Aufführungen in größeren Räumen üblich.
Eine niedrigere Deckelposition kann sinnvoller sein:
in kleineren Räumen;
bei der Begleitung von Sängern;
in der Kammermusik;
wenn der Flügel von Natur aus sehr kraftvoll ist;
bei einer stark reflektierenden Akustik.
Die richtige Einstellung sollte der Musik dienen und nicht automatisch einer Konvention folgen.
Durch Intonation kann der Flügel an den Veranstaltungsort angepasst werden
Wenn das Instrument grundsätzlich für den Raum geeignet ist, bestimmte klangliche Eigenschaften jedoch problematisch sind, kann die Intonation das Verhältnis zwischen Instrument und Raum verfeinern.
Ein Techniker kann beispielsweise Folgendes bearbeiten:
einen zu aggressiven Diskant;
unausgewogene Register;
unzureichende Klarheit;
übermäßige Härte;
einzelne Töne, die unverhältnismäßig stark projizieren.
Das Ziel besteht nicht darin, den Flügel künstlich zu neutralisieren.
Es geht darum, seinen bestehenden Charakter so einzusetzen, dass er im jeweiligen Raum optimal funktioniert.
Dies ist einer der Gründe, warum eine professionelle Konzertvorbereitung nach Möglichkeit direkt im Veranstaltungsort erfolgen sollte.
Auch die Stimmstabilität hängt vom Veranstaltungsort ab
Konzertveranstaltungsorte können Instrumente unterschiedlichen Umgebungsbedingungen aussetzen.
Ein Flügel kann beeinflusst werden durch:
Bühnenbeleuchtung;
Heizung;
Klimaanlage;
geöffnete Türen;
große Zuschauerzahlen;
schnelle Veränderungen zwischen Probe und Aufführung.
Diese Faktoren können die Luftfeuchtigkeit und Temperatur rund um das Instrument beeinflussen und damit auch seine Stimmstabilität.
Bei professioneller Nutzung muss der Techniker daher nicht nur berücksichtigen, ob das Klavier jetzt gestimmt ist, sondern auch, ob es voraussichtlich während der gesamten Veranstaltung stabil bleiben wird.
Warum ein fest installierter Flügel zum Raum passen sollte
Wenn ein Konzertveranstaltungsort ein dauerhaftes Instrument anschafft, sollte die Entscheidung daher mehr umfassen als die Wahl einer renommierten Marke.
Der Veranstaltungsort sollte berücksichtigen:
die Akustik des Raumes;
das typische Repertoire;
die Größe der Ensembles;
die Häufigkeit professioneller Nutzung;
die Kapazität des Publikums;
die Möglichkeiten zur Wartung;
das künstlerische Profil des Veranstaltungsortes.
Ein Flügel sollte einem Raum über viele Jahre dienen.
Die Wahl des falschen Instruments kann zu einer dauerhaften Diskrepanz führen, die Techniker und Musiker anschließend über Jahre auszugleichen versuchen.
Die Wahl des richtigen Instruments ermöglicht es dagegen, dass sich Raum und Flügel gegenseitig stärken.
Warum der Zugang zu mehreren Flügeln wertvoll ist
Einer der großen Vorteile, wenn mehr als ein geeignetes Instrument zur Verfügung steht, ist die Wahlmöglichkeit.
Anstatt jeden Künstler und jedes Programm auf denselben Flügel festzulegen, kann der Musiker das Instrument auswählen, dessen Charakter das jeweilige Projekt am besten unterstützt.
Ein Flügel kann mehr Wärme bieten.
Ein anderer kann mehr Brillanz oder Direktheit besitzen.
Einer eignet sich besonders für solistisches Repertoire, während ein anderer sich hervorragend in die Kammermusik einfügt.
Diese Freiheit ist insbesondere bei Aufnahmen wertvoll, da der Charakter des Instruments dauerhaft in das Ergebnis eingeht.
Der beste Flügel ist derjenige, der in den Raum gehört
Prestige ist wichtig.
Handwerkskunst ist wichtig.
Die Marke ist wichtig.
Doch keiner dieser Faktoren kann vollständig vom Kontext getrennt werden.
Ein großartiger Konzertflügel sollte sich so anfühlen, als gehöre er in den Raum, in dem er gehört wird.
Seine Kraft sollte zum Raum passen.
Sein Klang sollte natürlich mit der Akustik interagieren.
Seine Mechanik sollte dem Künstler Freiheit geben.
Und seine Vorbereitung sollte es dem Pianisten ermöglichen, den Raum musikalisch zu nutzen, anstatt gegen ihn anzukämpfen.
Dann hören Flügel und Veranstaltungsort auf, wie zwei getrennte Elemente zu wirken, und beginnen, gemeinsam als eine musikalische Umgebung zu funktionieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Derselbe Flügel kann in unterschiedlichen Räumen dramatisch anders klingen.
Ein größerer Konzertflügel ist nicht automatisch das beste Instrument für jeden Veranstaltungsort.
Projektion, Klangcharakter und Dynamikumfang sollten auf Größe und Akustik des Raumes abgestimmt sein.
Kammermusik und Solorecitals können unterschiedliche Eigenschaften des Flügels erfordern.
Repertoire, Positionierung des Flügels und Deckelstellung beeinflussen das Ergebnis.
Professionelle Intonation und Vorbereitung können dabei helfen, ein Instrument an seine Umgebung anzupassen.
Der Zugang zu mehreren Flügeln gibt Künstlern wertvolle künstlerische Wahlmöglichkeiten.
Der ideale Konzertflügel ist das Instrument, das am besten mit Pianist, Repertoire und Raum harmoniert.
Warum VIA?
Bei VIA – Piano & Arts Center betrachten wir die Beziehung zwischen Instrument und Raum als wesentlichen Bestandteil der Vorbereitung einer Aufführung.
Unser Concert Salon in Wien kann für Recitals, Kammermusik und Aufnahmen gebucht werden. Künstler haben dabei die Freiheit, aus den verfügbaren VIA-Instrumenten zu wählen, anstatt automatisch auf einen einzigen Flügel festgelegt zu sein.
So kann der Musiker den Klang, den Anschlag und den Charakter auswählen, die am besten zum Repertoire und zum jeweiligen Projekt passen.
Die professionelle Vorbereitung des ausgewählten Instruments ist in der Buchung des Concert Salons enthalten. Wir stimmen und bereiten den Flügel technisch auf die Aufführung oder Aufnahme vor und berücksichtigen dabei den Künstler, das Repertoire und die akustischen Eigenschaften des Raumes.
Für uns bedeutet ein professioneller Aufführungsraum mehr, als lediglich ein Klavier zur Verfügung zu stellen. Es bedeutet, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der richtige Flügel und der richtige Raum optimal miteinander funktionieren.
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